Quelle: Neue Westfälische vom 06.10.2011, Foto: Sarah Jonek

Ein Japaner in Babenhausen
HANDBALL-UMSCHAU: Unterstützung aus Fernost für HSG / Nur TSG II startet gut
VON IVO KRAFT
Bielefeld. Zugegeben, es ist schon ein paar Jährchen her. Christian Grunow (als Spieler mit einem einjährigem Intermezzo bei der HSG Bielefeld) und Stephan Neitzel (als Spieler und Teammanager) waren zwischen 1998 und 2003 am Durchmarsch der HSG Augustdorf/Hövelhof von der Landesliga bis in die 2. Bundesliga beteiligt.
Inzwischen haben sich die beiden an den Seitenlinien der hiesigen Bezirksliga wieder getroffen. Allerdings mussten beide am dritten Spieltag aktiv werden. Dabei schaffte Grunow nicht nur einen Treffer (3) mehr als Neitzel. Er gewann auch mit der TSG Altenhagen-Heepen II in Everswinkel, während Neitzel in Ibbenbüren höchstselbst den möglichen Ausgleich vergab. Trotz des 27:28 und ihrer Verletzungsprobleme machten die Schildescher in den vergangenen beiden jedoch Spielen deutlich, dass sie nicht nur mithalten, sondern auch punkten können. „Die Leistung in der zweiten Hälfte war schon gut“, sagte Neitzel, der seinen Kader mit mehreren A-Jugendlichen und Akteuren aus der dritten Mannschaft aufgefüllt hatte.
Noch besser sieht es bei der TSG II aus, die als Vierter am besten von allen Bielefelder Bezirksliga-Teams gestartet ist. „Wir wollen ins obere Drittel und dafür jedes Heimspiel gewinnen“, sagt Christian Grunow. Als zusätzlicher Anreiz wurden 100 Euro für jeden Auswärtssieg ausgelobt. Das Geld wurde nun erstmals eingefahren, woran Fabian Richter großen Anteil hatte. Der Linkshänder, der bisher immer auf der Außenbahn agierte, trifft nun auch aus dem Rückraum. „Ich bin selbst überrascht. Drei oder vier Tore waren aber auch von Außen“, meint der nach eigener Einschätzung „ungefähr 1,80 Meter große“ Richter.
Zusätzliches Geld für die Mannschaftskasse könnte sich Senne (2:4 Zähler) wohl kaum verdienen. „Bei unserer derzeitigen Auswärtsstärke müsste ein Sponsor keine Angst haben, Geld zu verlieren“, meinte Trainer Kraft nach dem 28:36 in Bünde. Immerhin hat der Vorjahresvierte nun zwei Heimspiele. Eins davon ist gegen den TuS 97 III, der ebenfalls mit 2:4 Punkten startete und schon wieder dieselben Probleme wie im Vorjahr hat. „Wir hatten es in Ibbenbüren beim 18:17 und 19:18 selbst in der Hand. Aber es haben die Alternativen gefehlt.“
Als einziges Team sieglos ist Schröttinghausen/Babenhausen (14., 1:5 Punkte). „Wenn du an den ersten drei Spieltagen mit zwei Auswärtspartien startest, ist es eigentlich egal, ob du 1:5 oder 2:4 Punkte hast“, meint Trainer Udo Kompa. Bisher war er nie wirklich unzufrieden. Allerdings versäumte es sein Team, sich für gute Leistungen zu belohnen.
Erst einmal dabei beim Kompa-Team war der Austausch-Student Kenta Kamei, der noch kleiner als TSG-Rückraum-Bomber Fabian Richter ist. Mit 171 Zentimetern Körpergröße bei 70 Kilogramm beackert der schnelle Rechtshänder die Babenhauser Außenbahnen. Zuletzt tourte der Japaner aber erst einmal mit der Freundin und dann mit seiner Schwester durch Europa und Deutschland. Kamei kam über den Uni-Sport zur HSG. Den universitären Handball in Bielefeld organisiert Jörg Bomba, der ebenfalls in Schröttinghausen spielt.
„An der Uni in Osaka spiele ich in der Handball-League. Aber die ist nicht so gut wie die Bezirksliga“, sagt der 21-Jährige. Vereinssport wie in Deutschland gibt es in Japan nicht. Der größte Unterschied zum Handball in Fernost sei die Härte. „Die sind viel aggressiver hier“, meint Kamei mit einem kräftigen Kopfnicken. Bis Februar oder März wird Kamei noch in Deutschland bleiben. Damit hat er noch reichlich Gelegenheit, sich zu akklimatisieren. Vielleicht kommt der Student ja sogar in ein von Christian Grunow geleitetes Seminar „Wettkampfhärte in der Bezirksliga“. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.